Die Welt dreht sich zu schnell... Also dreh Dich gefälligst mit ihr!!

Härter, schneller, stärker, höher,...

Ich könnte ewig mit den Komparativen weitermachen. Immer wird mehr von einem verlangt: Mehr Arbeit in weniger Zeit, mehr Praktika, schwierigere Texte in der Uni, weniger Zeit für´s Studium mit mehr Klausuren und währenddessen auch noch Arbeiten, um die Semesterbeiträge und Studiengebühren zahlen zu können. Und wehe, Du fällst durch eine Prüfung durch, das würde das ganze Studium noch hinauszögern, was Du Dir gar nicht mehr leisten kannst, angesichts der Tatsache, dass auf dem Arbeitsmarkt besonders in der aufsteigenden Branche (z.B. Werbebranche) JUNGE Leute gesucht werden!

Dabei hast Du Dich angesichts der Fülle der Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt doch schon zwei Mal falsch entschieden und hast jetzt gar nicht mehr sooo... viel Zeit für das Studium! Und während dem Lernen kommt Dir immer wieder erneut der Gedanke: "Ist das wirklich das, was ich mein Leben lang machen will??"

Aufatmen sollte man. Yoga, Meditation, Wellnessangebote in Anspruch nehmen. Und während Du dort abschalten willst, kommt Dir doch ständig erneut der Gedanke: Yoga-Lehrerin/Sauna-Meister/Masseur, das wäre auch noch ein Job für mich! Und den könnte ich bestimmt auch neben der Uni machen, um mein Konto wieder etwas aufzufüllen! Dann kann ich mir auch endlich mal den neuen Blue-Ray-Player leisten!!

Aber zum Blue-Ray-Gucken kommt es dann doch nicht, denn Du musst ja auch noch für die nächste Prüfung lernen. Fast wie Hohn kommt es damit einher, dass Du die metaphorisch hoch gehaltvollen Texte, die in Deiner Muttersprache schon viel zu kompliziert sind, um sie eins zu eins zu verstehen, auch noch auf dem schönsten (und vor allem kompliziertesten) Englisch des 16. Jahrhunderts lesen darfst!

Selbstständigkeit?? Klingt doch toll: Schließlich lernen wir durch den ganzen Stress in der Uni nichts besser, als uns selbst zu organisieren. Aber wie sähe eine solche Selbstständigkeit dann aus? 

Sich selbst verwirklichen! Seine Träume leben! Das ausbauen, was man am Besten kann, das Hobby zum Beruf machen! Sein eigener Chef sein, ein Individuum des Arbeitsmarktes!!

Denkt man... 

Zu schade, dass dies nur selten der Fall ist. Denn da gibt es ein riesen großes Hindernis, das man nicht einfach so auf Seite schaffen kann: Die Gesellschaft!

Denn hast Du noch so eine tolle Idee und ein sich selbst reinigendes  Grillset anzubieten - niemand kauft es Dir ab, während Du Deinen vergammelten ACDC-Pullover bei der Präsentation trägst! Bist Du ein verdammt guter Sänger, gerade mal 20 Jahre alt, aber eine Stimme wie Joe Cocker? Keine Chance, denn Justin Bieber ist "viel süßer" als Du!!

Und zum Blue-Ray-Gucken kommst Du hier erst recht nicht mehr. Denn um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können musst Du deine gesamte alltägliche Lebensführung vertrieblichen! 24 Stunden, denn sonst läuft Dir ein anderer den Rang ab! Setz Dich durch! Lauf! Bewegt und "getrieben von der Angst, ohne diese Anpassungsleistung aus der sich über Marktmechanismen assoziierenden gesellschaftlichen Ordnung herauszufallen" (Bröckling, Ulrich: Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Suhrkamp 2007, S. 46 f.)!

Härter, schneller, stärker, höher,... Nur so wirst Du´s heutzutage zu etwas bringen!

1 Kommentar 24.5.11 16:07, kommentieren

Menschen können so grausam sein...

Warum können Menschen so grausam sein? Jeder regt sich auf über Krieg, Morde, etc. auf. Aber ist selber nicht besser: Täglich beobachte ich Kriege "im Kleinen": Mobbing, Mobbing, Mobbing. Ich fühle mich dann selber oft sehr hilflos, möchte eine Art "Passiv-Mensch" sein, der mit all dem nichts zu tun hat.

Dann fühle ich mich manchmal wie Schopenhauer. Nur, wenn ich an meine Freunde denke, denke ich schon, dass wir andere Menschen brauchen und lieben können. Aber was bitte haben Menschen davon, wenn sie andere Menschen fertig machen? Wenn sie sie öffentlich zur Schau stellen, wenn sie sie wie Luft behandeln oder sogar bewusst provozieren? "Der Mensch ist des Menschens Wolf" wusste schon Thomas Hobbes. Aber was ist mit der Liebe?

 Man kann auch hier wieder alles mit Nietzsche erklären. Ohne Berge gäbe es keine Täler, ohne Stress keine Entspannung. Und ohne Hass eben auch keine Liebe! Man muss nur lernen damit richtig umgehen zu können - was gar keine so leichte Aufgabe ist!

Die Gesellschaft ist nötig - ich glaube schon, dass wir Gesellschaftstiere sind. Aber sie ist auch das Grausamste auf der Welt! 

Als Aufgabe für euch (gerne könnt ihr eure Überlegungen hierzu posten): Ein Gedankenexperiment: Wie sähe die Welt ohne Gesellschaft aus??

1 Kommentar 7.5.11 13:46, kommentieren

Aufklärung und Verstand - oder doch alles mit Gott "entschuldigen"?

Gerade bin ich durch den Wald gejoggt, in dem ich als Kind bei Wind und Wetter gespielt habe. In dem ich einfach super schöne und aufregende Zeiten erlebt habe, in dem ich joggen, reiten, spielen war, Hütten gebaut und Maiwanderungen gemacht habe.

Aber von den Bäumen, in die meine Freunde und ich damals unsere Namen geritzt haben, ist nichts mehr zu sehen - zwischenzeitlich hat der üble Sturm "Kyrill" nämlich alles weggerissen :-(.

Ich lief also so daher, beobachtete während des Laufens den Sonnenuntergang und hörte die Vögel zwitschern. Als ob nie etwas so Schlimmes wie der Orkan in diesem Wald gewesen wäre.

Aber was sind schon so ein paar Bäume, die eine Naturkatastrophe kaputt gemacht hat, verglichen mit dem Tsunami in Japan?? Wie kann es zu solchen schlimmen Katastrophen in unserer schönen Welt kommen?

Viele sehr gläubigen Menschen - so auch der hier ziemlich unbekannte englische Philosoph Henry More - kommen hier auf die Theodizee-Frage. Doch dabei findet jeder seine eigene Antwort oder folgt dem Buch Hiob. More`s Auffassung finde ich dabei sehr sehr fragwürdig: Der englische Theologe, Philosoph und Dichter glaubte fest an einen moralisch absolut korrekten Gott als Schöpfer der bestmöglichen Welt. Außerdem glaubt er an eine unsterbliche Seele, die auch schon vor unserer Geburt in einem anderen Körper existierte (Seelenwanderung, so wie es von neuplatonische Denker oft aufgefasst wurde). Schicksale einer ganzen Bevölkerung oder einzelner Menschen begründet er, indem er behauptet, dass durch falsches/nicht tugendhaftes Handeln einer Person diese Seele verunreinigt wurde. Der nächste Träger dieser Seele wird deswegen durch Nachteile und Schicksale bestraft.

Ist so etwas korrekt zu glauben?? Andere Theorien zur Beantwortung der Theodizee-Frage gefallen mir da doch wesentlich besser... Aber ab von all dem: Sollte man generell alles mit Gott begründen? Ich halte das ehrlich gesagt für zu einfach.

Ich möchte jetzt nicht wegen Blasphemie und/oder Gottlosigkeit angeklagt werden, so wie es manchem Denker in früherer Zeit passiert ist. Deswegen möchte ich mich auch gar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, es gäbe überhaupt gar nichts wie einen Gott. Auf dem Papier bin ich schließlich auch katholisch ;-). Und ich finde, dass der Glaube an Gott so Manchem richtig gut tut, ihm in bestimmten Lebenslagen hilft!

Aber einfach alles mit Gott zu erklären - davon halte ich sehr wenig. Auch, wenn ich damit jetzt auch in gewisser Weise einen meiner Lieblingsphilosophen René Descartes angreife. Wir müssen selber unseren Verstand einsetzen, um die Welt zu erklären und in ihr klar zu kommen!!

Wie Friedrich Nietzsche es so schön auf den Punkt gebracht hat: "Gott ist tot!" Also nimm die Dinge selbst in die Hand, Mensch!

 

2 Kommentare 19.4.11 21:53, kommentieren

Frühlingsgefühle und Eifersucht

Da sind sie wieder, die glücklichen Pärchen! Kaum kommen die ersten Sonnenstrahlen, sehe ich überall am Uni-Campus die Turteltauben! Aber aus irgendwelchen Gründen bekommt man im Frühling immer nur die schönen Seiten der Partnerschaft mit.

Dahinter steckt meistens eine Menge Arbeit. Denn neben Euphorie und Harmonie gibt es auch sehr viele Streitereien und Eifersüchteleien...

Ja, gerade Eifersucht ist ein riesen Streitthema bei deutschen Paaren. Dabei ist es doch meistens total unbegründet und eigentlich auch eine Charakterschwäche - oder??

Laut René Descartes auf jeden Fall! Denn dieser "verachtet einen Mann, der eifersüchtig in bezug auf seine Frau ist, denn das ist ein Zeugnis dafür, daß er sie nicht in einer guten Weise liebt und daß er eine schlechte Meinung von sich oder ihr hat." Descartes ist sich sicher, "wenn er eine wahre Liebe für sie empfände, hätte er keine Neigung zum Mißtrauen. Es ist eigentlich nicht sie, die er liebt, es ist nur das Gut, das - wie er sich einbildet - darin besteht, sie allein im Besitz zu haben, und er würde nicht fürchten, dieses Gut zu verlieren, wenn er nicht urteilen würde, daß er dessen unwürdig sei, oder auch, daß seine Frau untreu ist." (René Descartes: Die Leidenschaften der Seele, Artikel 169, S. 265 f.)

Ist das so? Liebt ein eifersüchtiger Mann seine Frau nicht genug?? Oder liebt er sie gerade so sehr, dass er Angst hat, sie zu verlieren? Ich denke, man muss hier zwischen dem bloßen Gefühl der Eifersucht und den daraus möglicherweise resultierenden Reaktionen unterscheiden. 

Eifersucht an sich hat meiner Meinung nach zwei Bezüge: den Bezug zu dem Objekt (hier: der Frau) und der Bezug auf die Person selber, die die Eifersucht verspürt.

Eifersucht kann natürlich bedeuten, dass der Eifersüchtige die Frau sehr liebt und Angst hat, diese zu verlieren. Schließlich widerspricht Eifersucht dem "Scheiß-egal-Gefühl".In Bezug auf die aktive Person kann es natürlich bedeuten, dass der Mann die Auffassung hat, wie Descartes sagt, er würde die Frau "besitzen". Aber ist der Hauptgrund von Eifersucht in einer Partnerschaft nicht vielmehr ein etwas psychischerer? Glaube ich nicht vielmehr, wenn ich eifersüchtig bin, dass ich es weniger Wert sein könnte geliebt zu werden, als die dritte Person, wegen der ich eifersüchtig bin??

Zurück zum von Descartes aufgeworfenen Besitz-Gefühls: Ist dies nicht total gesellschaftlich geprägt? Ich spreche hier auf Monogamie, Eheschließung, etc. an. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich vielleicht ein andernmal zu sprechen komme.

Die Reaktionen der eifersüchtigen Person spielen eine andere Rolle: Denn hier würde ich Descartes definitiv Recht geben! Wenn der Mann zu heftig regiert, seine Frau kontrolliert, beschimpft, über sie bestimmt; dann scheint er sie tatsächlich nicht zu lieben. Denn wenn er sie lieben würde, würde er alles tun und wollen, dass es ihr gut geht. Das widerspricht der Kontrolle, Beschimpfung, etc.

Da bleibt uns doch nur zu hoffen, dass die Eifersucht in gesundem Maße bleibt und die Studenten auf der Campus-Wiese wissen wie sie bei Schwierigkeiten miteinander umgehen sollten! 

Und zu guter Letzt nochmal bezüglich der Eheschließung ein abschließendes Zitat von Nietzsche: "Ein verheirateter Philosoph gehört in die Komödie!" -> das könnt ihr nun für euch selbst interpretieren! ;-)

1 Kommentar 18.4.11 21:23, kommentieren

Philo-Sophia -> Willkommen im Spielplatz der Philosophie!

"Philosophie ist ein fortdauerndes intektuelles Larvenstadium: eine aufgeschobene Kindheit für solche, die so glücklich sind, dass ihnen die Gabe oder das Bedürfnis heranzuwachsen fehlt." (Ronald de Sousa)

 

Und genau dieser Kindheit bin ich treu geblieben. Ich frage immer, ich denke zu viel ;-). Bei einer Umfrage für unsere Abiturzeitung wurde ich zum "Lehrerschreck Nummer 1" gewählt - mit Abstand! Weil ich nie etwas hingenommen habe, was mir erzählt worden ist, sondern alles ständig hinterfragte. 

Aber ist das immer nur schlecht? Hier möchte ich mein Interesse an der Philosophie (philo = Liebe, sophia = Weisheit; die Liebe zur Weisheit" mit euch teilen und freue mich auf Kommentare, die zu regen Diskussionen veranlassen! 

Viel Spaß!!

1 Kommentar 18.4.11 20:22, kommentieren

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