Frühlingsgefühle und Eifersucht

Da sind sie wieder, die glücklichen Pärchen! Kaum kommen die ersten Sonnenstrahlen, sehe ich überall am Uni-Campus die Turteltauben! Aber aus irgendwelchen Gründen bekommt man im Frühling immer nur die schönen Seiten der Partnerschaft mit.

Dahinter steckt meistens eine Menge Arbeit. Denn neben Euphorie und Harmonie gibt es auch sehr viele Streitereien und Eifersüchteleien...

Ja, gerade Eifersucht ist ein riesen Streitthema bei deutschen Paaren. Dabei ist es doch meistens total unbegründet und eigentlich auch eine Charakterschwäche - oder??

Laut René Descartes auf jeden Fall! Denn dieser "verachtet einen Mann, der eifersüchtig in bezug auf seine Frau ist, denn das ist ein Zeugnis dafür, daß er sie nicht in einer guten Weise liebt und daß er eine schlechte Meinung von sich oder ihr hat." Descartes ist sich sicher, "wenn er eine wahre Liebe für sie empfände, hätte er keine Neigung zum Mißtrauen. Es ist eigentlich nicht sie, die er liebt, es ist nur das Gut, das - wie er sich einbildet - darin besteht, sie allein im Besitz zu haben, und er würde nicht fürchten, dieses Gut zu verlieren, wenn er nicht urteilen würde, daß er dessen unwürdig sei, oder auch, daß seine Frau untreu ist." (René Descartes: Die Leidenschaften der Seele, Artikel 169, S. 265 f.)

Ist das so? Liebt ein eifersüchtiger Mann seine Frau nicht genug?? Oder liebt er sie gerade so sehr, dass er Angst hat, sie zu verlieren? Ich denke, man muss hier zwischen dem bloßen Gefühl der Eifersucht und den daraus möglicherweise resultierenden Reaktionen unterscheiden. 

Eifersucht an sich hat meiner Meinung nach zwei Bezüge: den Bezug zu dem Objekt (hier: der Frau) und der Bezug auf die Person selber, die die Eifersucht verspürt.

Eifersucht kann natürlich bedeuten, dass der Eifersüchtige die Frau sehr liebt und Angst hat, diese zu verlieren. Schließlich widerspricht Eifersucht dem "Scheiß-egal-Gefühl".In Bezug auf die aktive Person kann es natürlich bedeuten, dass der Mann die Auffassung hat, wie Descartes sagt, er würde die Frau "besitzen". Aber ist der Hauptgrund von Eifersucht in einer Partnerschaft nicht vielmehr ein etwas psychischerer? Glaube ich nicht vielmehr, wenn ich eifersüchtig bin, dass ich es weniger Wert sein könnte geliebt zu werden, als die dritte Person, wegen der ich eifersüchtig bin??

Zurück zum von Descartes aufgeworfenen Besitz-Gefühls: Ist dies nicht total gesellschaftlich geprägt? Ich spreche hier auf Monogamie, Eheschließung, etc. an. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich vielleicht ein andernmal zu sprechen komme.

Die Reaktionen der eifersüchtigen Person spielen eine andere Rolle: Denn hier würde ich Descartes definitiv Recht geben! Wenn der Mann zu heftig regiert, seine Frau kontrolliert, beschimpft, über sie bestimmt; dann scheint er sie tatsächlich nicht zu lieben. Denn wenn er sie lieben würde, würde er alles tun und wollen, dass es ihr gut geht. Das widerspricht der Kontrolle, Beschimpfung, etc.

Da bleibt uns doch nur zu hoffen, dass die Eifersucht in gesundem Maße bleibt und die Studenten auf der Campus-Wiese wissen wie sie bei Schwierigkeiten miteinander umgehen sollten! 

Und zu guter Letzt nochmal bezüglich der Eheschließung ein abschließendes Zitat von Nietzsche: "Ein verheirateter Philosoph gehört in die Komödie!" -> das könnt ihr nun für euch selbst interpretieren! ;-)

18.4.11 21:23

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(18.4.11 21:51)
Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

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